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ap: Atom-Gutachter ins Zwielicht gerückt



AP, Mittwoch 31. Oktober 2001, 17:21 Uhr

> Atom-Gutachter ins Zwielicht gerückt 
> Umweltministerium schließt Interessenkonflikt aus 

München (AP) Die Schweizer Gutachterfirma, die das bayerische 
Atomkraftwerk Isar 1 überprüfen soll, ist in die Kritik geraten. Die 
Berliner «Tageszeitung» (Donnerstagausgabe) berichtete, die Colenco AG 
gehöre den Atomkraftwerk-Betreibern RWE und Electricite de France (EdF). 
Die Colenco AG dementierte. Die bayerischen Grünen zogen die 
Unabhängigkeit der Überprüfung in Frage. Das bayerische Umweltministerium 
erklärte dagegen, Interessenkonflikte seien ausgeschlossen. Colenco-
Präsident Roberto Gerosa sagte, sein Unternehmen sei zu 90 Prozent im 
Besitz der Mitarbeiter und damit eine der wenigen wirklich unabhängigen 
Gutachterfirmen. Nur zehn Prozent halte der Stromhändler Aare Tessin AG. 
An der Aare Tessin sei die Motorcolumbus mit 36 Prozent beteiligt, an der 
wiederum RWE und EdF je 20 Prozent hielten. «Die beiden haben also nicht 
mal ein Prozent mit uns zu tun», sagte Gerosa. 

Ein Sprecher des bayerischen Umweltministerium sagte, Colenco genieße 
international einen guten Ruf. Zudem gehöre das Atomkraftwerk Isar 1 
nicht RWE oder EdF, sondern E.ON. Das Ministerium hatte Colenco mit einer 
Sonderprüfung beauftragt, nachdem zwei Ingenieuren von Isar 1 vorgeworfen 
worden war, Unterlagen für ein TÜV-Gutachten zurückgehalten zu haben. 

Der «Tageszeitung» und den bayerischen Grünen zufolge soll Colenco einen 
Sicherheitsmanager in der Abteilung Kerntechnik beschäftigen, der vom TÜV 
1984 wegen falscher Angaben zum Atomkraftwerk Philipsburg entlassen 
worden sei. Colenco sagte, dies sei «absolut falsch». Die Grünen 
forderten das Ministerium auf, eine unabhängige Überprüfung im Reaktor 
Isar 1 zu gewährleisten.