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StN: Flugzeug-Crash für Atomstollen das kleinste Problem



Stuttgarter Nachrichten, 09.11.01

> Flugzeug-Crash für Atomstollen das kleinste Problem
> Zum Abschluss der Erörterung des Neckarwestheimer Zwischenlagers steht 
Thema Sicherheit im Blickfeld 

Heilbronn - Das Thema Sicherheit nimmt beim Erörterungstermin zum 
atomaren Zwischenlager des Kernkraftwerks Neckarwestheim erwartet großen 
Raum ein. Neben Erdbeben und Geologie haben Gegner des Atomstollens nun 
auch die Gefahr von Flugzeugabstürzen zur Sprache gebracht.

VON SASCHA SCHMIERER

Dass sich die Welt nach den Terroranschlägen vom 11. September verändert 
hat, ist auch der Atomaufsicht klar. Doch mit der Frage, welche 
Konsequenzen die Flugzeugangriffe auf Pentagon und World Trade Center für 
bundesdeutsche Kernkraftwerke haben, tun sich die Experten schwer. ¸¸Mit 
dem Profil des Selbstmordattentäters taucht ein völlig neues Tätermodell 
auf'', sagt Volker Schäfer, Sprecher des Bundesamts für Strahlenschutz. 
Die in Salzgitter ansässige Behörde erörterte von Dienstag bis Donnerstag 
in Heilbronn die 3488 Einwendungen gegen den Atomstollen. Die Argumente 
der Einwender werden ebenso geprüft wie die Antragsunterlagen und die 
Stellungnahmen der Gutachter. Mit einem Bescheid ist bis Ende 2002 zu 
rechnen.

Laut Versammlungsleiter Bruno Thomauske fordert die Behörde inzwischen 
den Nachweis, dass Bauwerk und Behälter dem Aufprall eines Flugzeugs 
standhalten. Untersucht wird, wie sich die Explosion von bis zu 325 000 
Liter Kerosin auswirkt. Thomauske: ¸¸Es scheint so, dass das meiste 
Kerosin beim Aufprall zerstäubt und im Feuerball aufgeht.''

Das größere Problem sind für den Physiker freilich die Turbinen, die sich 
durch den Beton fressen könnten - ob ein Düsenjet den CastorAbstellplatz 
knackt, wissen die Experten der Strahlenschutzbehörde derzeit noch nicht. 
Der Absturz einer Verkehrsmaschine wurde bei deutschen Atomkraftwerken bisher im Bereich ¸¸Restrisiko'' eingestuft. Block II des Neckarwestheimer Atommeilers soll zwar dem Aufprall eines Kampfjets standhalten. Für den sei
t 25 Jahren laufenden Block I gilt das jedoch nicht.

Hinweise erhofft sich das Bundesamt von der Reaktorsicherheits-
Kommission. ¸¸Solange die Gefahr im Restrisikobereich bleibt, wird die 
Genehmigung für Bestandsreaktoren nicht widerrufen'', sagt Thomauske.

Für das in Neckarwestheim geplante Zwischenlager dürfte die 
Flugzeuggefahr indes die kleinste Rolle spielen. Der Plan, zwei 90 Meter 
tiefe und 18 Meter hohe Tunnelröhren in den Muschelkalk am Neckarufer zu 
bohren, ist bundesweit einzigartig. Bei den 16 anderen deutschen 
Atomstandorten sind oberirdische Lagerhallen geplant.

Die Atomkraftgegner versuchen deshalb, die Zwischenlagerpläne durch 
Hinweis auf den angeblich unsicheren Untergrund ins Wanken zu bringen. 
Der Geologe Hermann Behmel warnte erneut, Bruchvorgänge und 
Hohlraumbildung gefährdeten die Sicherheit. Er fordert vertiefte 
Untersuchungen des Baugrunds und Setzungsmessungen zur Überwachung. Fürs 
Kraftwerk erwiderte Technik-Chef Werner Zaiss, der Standort habe sich bei 
Probebohrungen als geeignet erwiesen. Das geologische Landesamt sei 
eingeschaltet. Auch Hochwasser ergebe keine Bedrohung. Bei der Erörterung 
haben Einwender erneut kritisiert, dass weder das Umwelt- noch das 
Wirtschaftsministerium offiziell vertreten sind. Die Abwesenheit der 
Atomaufsicht des Landes wurde auch vom Strahlenschutz-Bundesamt bedauert.