|
Keine neuen Atomkraftwerke!
Euroreaktor EPR stoppen!
Während
sich in Deutschland große Teile der früheren Anti-Atom-Bewegung
mit dem Atomkonsens als das scheinbar maximal erreichbare
befriedet abfinden, treiben Atomindustrie und ihre Lobbyisten
in der Politik den Ausbau der Atomkraft massiv voran.
Im
Schatten des deutschen Atomausstiegs arbeiten u.a. die
Atomkonzerne EnBW, EDF, Siemens und Areva (Siemens/Framatome) massiv
an der Durchsetzung neuer Atomkraftwerke in Europa. Mit dem EPR
(European Pressured Reaktor) sollen die atomaren Weichen für
das dritte Jahrtausend gestellt werden. Seit Anfang des neuen Jahrtausends
hofft die Branche auf neue Aufträge, da nicht nur alte Atomkraftwerke
(aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit) stillgelegt werden, sondern
ab etwa 2005 europaweit auch ein Großteil der konventionellen
Kraftwerke ersetzt werden muss. Siemens/Framatome wollen mit ihrem
Euro-Druckwasserreaktor von 1600 Megawatt Leistung ins
Geschäft kommen. Bei dem EPR geht es nicht um ein AKW in Finnland
oder Frankreich, sondern um ein vorzeigbares Referenzmodell für
den Weltmarkt. Mit einer geschickten Akzeptanz - Kampagne wird dieser
Reaktor-Typ als umwelt- und klimafreundliche, nachhaltige Art der
Energiegewinnung beworben. In Wahrheit ist der EPR-Reaktor keinesfalls
sicherer als existierende Anlagen, obwohl die Hersteller dies gerne
behaupten. Er beinhaltet dasselbe Störfallpotential und produziert,
da größer, noch mehr Atommüll als bisherige AKWs.
Auch der EPR birgt das Risikos eines schweren Kernschmelzunfalls
mit entsprechenden Folgen für Mensch und Umwelt.
AKW
- Neubau in Europa – Stand der Dinge
Nach dem Willen der AKW-Befürworter soll Europas erstes neues
Atomkraftwerk dieses Jahrtausends in Finnland gebaut werden. Im
Jahr 2002 beschloss das finnische Parlament grundsätzlich den
Neubau eines AKWs zu befürworten. Die Bevölkerung durfte
sich an dieser Entscheidung nicht beteiligen, obwohl sich nach Meinungsumfragen
70% der Bevölkerung für ein solches Referendum aussprachen.
Im Dezember 2003 wurde zwischen dem finnischen Atomkraftwerksbetreiber
TVO und der Siemens-Beteiligungsgesellschaft Framatome der Vertrag
über den Bau eines neuen Atomkraftwerks vom Typ EPR am Standort
Olkiluoto unterzeichnet. In Olkiluoto, wo es bereits zwei Reaktorblöcke
und das finnische Versuchs-Endlager für hochradioaktiven
Atommüll gibt, wurde bereits mit den Rodungsarbeiten begonnen.
Das Genehmigungsverfahren für den EPR in Olkiluoto ist jedoch
noch nicht abgeschlossen. Von den 18 MinisterInnen in der jetzigen
finnischen Regierung haben im Jahr 2002 als Parlamentarier 11 gegen
den AKW-Neubau gestimmt.
Die französische Regierung entschied im April dieses Jahres,
in der Energiepolitik für die kommenden drei Jahrzehnte auf
den EPR zu setzen. Die in die Jahre gekommenen französischen
AKWs sollen gleich im Dutzend durch AKW-Neubauten vom Typ EPR ersetzt
werden. Diese Entscheidung wurde Anfang Mai im sogenannten Energiegesetz
festgeschrieben. Als einer der ersten Standorte ist das AKW Penly
am Ärmelkanal im Gespräch eine Region mit wenig
politischem Widerstand.
Auch in der Schweiz wurde die Debatte um den AKW-Neubau begonnen.
Angesichts der unter extrem ungleichen Bedingungen geführten
Abstimmungen über den Atomausstieg und das Moratorium zum AKW-Neubau
(beide verloren die AtomkraftgegnerInnen) forciert die Schweizer
Atomindustrie den Bau des EPR, um die veralteten AKWs Mühleberg
und Beznau zu ersetzen. So sollen auch künftig riesige Gewinne
aus dem Stromexport in die Schweiz fließen.
In der Türkei erklärte der Energieminister Hilmi Güler
im Mai, die Planungen für ein AKW-Neubau jetzt wieder aufleben
zu lassen. Zur Zeit werden die Bedingungen für eine entsprechende
Ausschreibung ausgearbeitet. Möglicher Standort ist weiter
Akkuyu an der Mittelmeerküste ungeachtet auch der Bedenken
bezüglich des Risikos von Erdbeben.
In Deutschland wartet die Atomindustrie auf den Regierungswechsel.
Führende CDU/CSU-Politiker wie Erwin Teufel oder Edmund Stoiber
kündigen vehement an, den Ausstieg aus der Kernenergie
nach der Bundestagswahl 2006 rückgängig zu machen. Auch
hierzulande muss spätestens dann mit Plänen um den Ersatz
alter (d.h. sich wirtschaftlich nicht mehr rechnender) AKWs durch
den modernen, sicheren und nachhaltigen EPR gerechnet
werden.

Die
Gefahren des Euroreaktors EPR
Auch
der neue EPR-Reaktor ist an jedem Standort gefährlich und abzulehnen
- Auch er produziert
Atommüll, der eine Million Jahre sicher gelagert werden muss
- In jedem
AKW entsteht in einem Jahr für jedes Megawatt elektrischer
Leistung ungefähr die kurz- und langlebige Radioaktivität
von einer Hiroshima Bombe. Pro Euroreaktor à 1600 MW ist
das im Jahr die Radioaktivität von 1.600 Hiroshima Bomben.
Und überall, wo Menschen arbeiten, gibt es auch unvorhersehbare
Fehler.
- Der Euroreaktor
ist groß statt sicher. Die elektrische Leistung von 1600
Megawatt stellt nach Ansicht der Internationalen Ärzte für
die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) eine Abkehr von der
einst geforderten inhärenten Sicherheit dar.
Doch um die Stromkosten nicht völlig ausufern zu lassen,
setzt man bei Siemens und Areva mehr auf supergroß
als auf supersicher.
- Der EPR
verfügt nicht über genügend passive Sicherheitssysteme,
sondern setzt immer noch auf störanfällige Armaturen
und Pumpen mit Motorantrieb, die bei einem Ausfall der Stromversorgung
versagen.
- Besonders
brisant ist der Einsatz von digitaler Leittechnik, die in der
BRD bisher nicht im hochsensiblen Reaktorschutz angewendet wird.
Bereits beim Einsatz in weniger sensiblen Bereichen führte
diese Technik im Mai 2000 im AKW Neckarwestheim zu gefährlichen
Vorkommnissen (Einfahren der Steuerstäbe in den Reaktorkern
für kurze Zeit blockiert).
- Die
wesentliche Neuentwicklung des Europäischen Druckwasser-Reaktors
ist ein Auffangbecken, in das - im Falle einer Kernschmelze -
diese abfließen und gekühlt werden soll. Die IPPNW
hält auch dieses zentrale Sicherheitssystem für nicht
überzeugend. Einerseits müsste das Becken absolut trocken
sein, wenn sich die Schmelze darin ausbreiten soll, weil es sonst
zu gefährlichen Dampfexplosionen kommen könnte. Andererseits
müsste zur Kühlung der Kernschmelze diese anschließend
gezielt mit Wasser bedeckt werden, was aber die gefürchteten
Dampfexplosionen geradezu herbeiführen kann. (Zitat
IPPNW)
- Auch für
den EPR werden Menschen in Uranbergwerken und durch radioaktive
Emissionen in der Umgebung von AKWs, Wiederaufarbeitungsanlagen
und Urananreicherungsanlagen sterben.
- Der EPR
gibt, wie jedes AKW, auch im so genannten Normalbetrieb radioaktive
Stoffe an die Umwelt ab.
- Der Euroreaktor
als geplanter Exportartikel erhöht die Gefahr, dass neue
Staaten in den Besitz von Atomwaffen gelangen. Wer AKWs betreibt,
kann auch Atombomben bauen. So gefährden EDF, EnBW, Siemens
und Areva für kurzfristige Gewinne die Menschen in der ganzen
Welt.
- Auch in
einem Euroreaktor ist eine Kernschmelze möglich. Siemens
und Areva versuchten auf der Basis des ökonomisch Machbaren
eine Lösung gegen die Gefahr eines Super-GAUs (schwerer Kernschmelzunfall
mit massiver Freisetzung von Radioaktivität) zu finden; doch
keine der geplanten technischen Vorkehrungen kann als Lösung
bezeichnet werden: So sind die Sicherheitsvorkehrungen innerhalb
des EPR gegen eine unkontrollierte Kernschmelze allesamt auf Niederdruckkernschmelzen
ausgelegt. Ihre Funktionsfähigkeit ist sehr umstritten.
(Zitat Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz - BBU)
- Die Planungen
für den EPR begannen lange vor dem 11. September 2001. Einem
jederzeit möglichen Terroranschlag könnten sie nicht
standhalten. Ein Terroranschlag oder ein Reaktorunfall könnten
große Teile Zentraleuropas dauerhaft unbewohnbar machen.
Ein Land mit AKWs ist erpressbar.
Umweltfreundliche
Atomkraftwerke ?!
Der
Betrieb von Atomkraftwerken sei umweltfreundlich, da diese den Ausstoß
von Kohlendioxid (CO2) bei der Stromerzeugung verringern würden.
Dies behaupten verstärkt wieder die AKW-Betreiber und versuchen
diese angebliche klimaschonende Stromerzeugung damit wieder zukunftsfähig
zu machen. Die Aussage der Atom-Energiekonzerne und ihrer Experten
reduziert sich dabei nur auf die Frage: ein AKW selbst erzeugt kein
Kohlendioxyd und ist deshalb umweltfreundlich. Dies im Vergleich
zum CO2-Ausstoß von Kohle- oder anderen fossilen Kraftwerken.
Moderne Gaskraftwerke, Kraft-Wärmekoppelung oder gar regenerative
Energien werden zum Vergleich natürlich nicht herangezogen.
Die Kreislaufspirale
Woher kommt der Brennstoff Uran für ein AKW, was geht der Produktion
der Brennstäbe voraus? Dies bleibt bei der Betrachtung der
CO2-Bilanz völlig ausgeschlossen. Entscheidend ist jedoch die
gesamte atomare Kreislaufspirale. So benötigen beispielsweise
allein die beiden Atomreaktoren in Neckarwestheim jedes Jahr 45
Tonnen an Uranbrennstäben. Dafür beginnt der Kreislauf
der Zerstörung und Gefährdung bereits beim Erzabbau, der
schon bei einem Gesteinsanteil von nur 0,1% durchgeführt wird.
Die riesigen Fördermengen müssen dann anschließend
zur Gewinnung des Erzes zerkleinert werden. Die zurückbleibenden
großen Abraumhalden sind für viele Jahrzehnte eine strahlende
Gefährdung und müssten eigentlich Luft- und Wasserdicht
verschlossen werden. Hier beginnt bereits die Lüge von den
umweltfreundlichen Atomkraftwerken. Was jeden Tag in Australien,
den USA, in Afrika usw. stattfindet, kann am Beispiel des früheren
Erzabbaus der Wismut in Deutschland heute noch in den Todesraten
der ehemaligen Bergarbeiter nachvollzogen werden. Damit nicht noch
länger saniert werden muss, wurden für das ehemalige DDR-Fördergebiet
extra die Grenzwerte der Bundesstrahlenschutz-verordnung hochgesetzt.
Im Verlauf jeder Uranspirale werden immer Unmengen von Wasser, viel
Energie und gefährliche Chemikalien benötigt. Es bleiben
radioaktiv kontaminierte, lebensgefährdende Abfälle zurück
und zusätzlich entstehen radioaktive Gase, die an die Umwelt
abgegeben werden.
Atomkraft
und die Umwelt
Umweltfreundliche Atomkraft ohne Kohlendioxid ist eine Lüge.
Unter Bilanzierung aller Faktoren kam das Ökoinstitut zu dem
Ergebnis, dass eine Kilowattstunde Atomstrom mindestens 28 Gramm
Kohlendioxid voraussetzt. Nach Berechnungen der Internationalen
Energieagentur kommt ein AKW sogar auf bis zu 160 Gramm CO2 pro
Kilowattstunde Atomstrom.
Rechnet man bei den beiden Neckarwestheimer Atomreaktoren die Behälter
für den Abfall hinzu, dann fällt nach AKW-Betreiberangaben
eine jährliche Menge von 680 Tonnen an hochradioaktivem Abfall
und 330 Tonnen sogenannter schwach- und mittelradioaktiver Abfall
an. Der Erstere ist wegen seiner Strahlung noch Jahrtausende, der
Letztere für mehrere hundert Jahre lebensgefährlich. Doch
was hat den der Erzabbau, die Brennstoffspirale und der Verbleib
des hochradioaktiven Abfalls mit dem Betrieb eines Atomkraftwerkes
zu tun? Nichts natürlich - sagen die Betreiber!

Sofort abschalten!
In
der Bundesrepublik gibt es insgesamt ca. 115 000 Megawatt (MW) installierte
Strom-Kraftwerksleistung. Darunter sind die fossilen Hauptbrocken
33 % Atomstrom, 29 % Braun- und 25 % Steinkohle. Die höchste
benötigte Strommenge (Spitzenlast) der Vergangenheit lag bei
74 000 MW. Rein rechnerisch könnten also alle AKW´s sofort
abgeschalten werden.
Atomausstieg
und regenerative Energien
Von den regenerativen Energien hat die Windenergie inzwischen den
Durchbruch erreicht und ihren Anteil an der Stromerzeugung in den
letzten 5 Jahren verdreifacht. Über 15 000 tausend Windräder
haben mit einer installierten Leistung von ca. 15 000 Megawatt im
Jahr 2003 insgesamt 18,6 Milliarden Kilowattstunden umweltfreundlichen
Strom produziert. Dabei liegen die flachen Bundesländer
wie Niedersachen oder Mecklenburg-Vorpommern an der Spitze, noch
vor dem Küstenland Schleswig-Holstein. Das Argument, Windräder
könnten nur auf Bergrücken Strom produzieren ist ein Märchen,
das vorwiegende von der Atomloby verbreitet wird. Genauso wie die
vielen tausend zusätzlichen Quadratkilometer an Fläche,
um genügend Solarstrom anstatt der Atomkraftwerke zu haben.
Um nur mit Fotovoltaik den Strombedarf zu decken, wären (bei
einem 15%-igen Wirkungsgrad) für die benötigten Solarzellen
gerade mal 10% der bereits bebauten Fläche in der Bundesrepublik
notwendig! Allein das Potenzial der nach Süden ausgerichteten
Dachflächen liegt bei 80 000 MW, möglich ist dies genauso
an Fassaden und anderen bereits existierenden Flächen. Vom
Wirkungsgrad ist die Kraft-Wärmekoppelung.

Weitere Informationen
zum EPR zum Beispiel hier:
- Deutsche
Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung
des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW)
Körtestraße 10, D-10967 Berlin, Tel. 030-698074-0
www.atom-politik.de
/ www.siemens-boykott.de
- BUND Regionalverband
Südlicher Oberrhein
Wilhelmstr. 24 A, D-79098 Freiburg, Tel. 0761/ 3 03 83
www.bund-freiburg.de
Flugblatt:
Keine neuen AKWs! Euroreaktor EPR
stoppen! (4 Seiten/*.pdf/250kb)
|