Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 

Gorleben ist überall - Nein zum Endlager Bure!

Juni 05
Gorleben ist überall - Nein zum Endlager Bure!
(pdf-Version als Kopiervorlage)

Gemeinsam gegen das europäische Endlager in Bure / Lothringen (F.)


Ein Reader zum geplanten Endlager für Atommüll in Frankreich
mit Texten zu Lage, Hintergrund und Widerstand.

Gorleben ist überall - Nein zum Endlager Bure!

Was und wo ist Bure ?

Der Endlagerstandort wurde nach dem verschlafenen 100-Seelen-Dorf Bure benannt auf dessen Gemarkung er liegt. Bure wird wie "Bür" gesprochen, der Ort Bure befindet sich gut einen Kilometer entfernt und ist ein typisches Bauerndorf in dieser ländlichen und bevölkerungsarmen Region.
Mehrere Kilometer Metallgitter schützen das terrassierte und inzwischen mit mehreren Gebäuden, Anlagen und Wegen erschlossene rund 17 ha Gelände in Ostlothringen. Seit Herbst 1999 wird hier ein atomares "Endlagerlabor" gebaut. Ein geräumiger Parkplatz, ein neuer Verkehrskreisel mit voll aus-gebauten Zufahrtsstraßen in alle Himmelsrichtungen und das fast schon komplett vorbereitete Endlager lassen sich kaum als reines Testgelände interpretieren, zumal das gesamte Areal von Jahr zu Jahr festungsähnlicher ausgebaut und infrastrukturell er- weitert wurde. Offiziell handelt es sich aber nur um ein Versuchslabor. 1995 war von rund 120.000 Tonnen mittel- und hochradioaktivem Müll die Rede, für den es bis heute weder ein Endlager noch eine Verpackung gibt. Die Atomindustrie hofft in Bure eine "Scheinlösung" für ihr unlösbares Müllproblem zu finden. Mit der Idee von Atommülllagern wird lediglich ein sicherer Umgang mit dem hoch radioaktiv Müll vorge-gaukelt, während täglich neuer Müll produziert wird. Solange sowohl in Frankreich als auch in der Bundesrepublik Deutschland weiterhin AKW's laufen und täglich Atommüll produzieren, lehnt die Anti-Atom-Bewegung den Bau von Endlagern ab. Das französische Atommülllager in Bure wird auch mit über 7 Mio. € EURATOM-Forschungsgeldern finanziert, verschiedene europäische und auch deutsche Firmen sind beteiligt - daher erscheint die Lagerung von Atommüll aus anderen europäischen also auch deutschen AKWs möglich, befürchten GegnerInnen.

Warum BURE?
Geologische Eignungsfaktoren oder politische Durchsetzbarkeit?

Im Auftrag der französischen Atommüll-Behörde ANDRA sollen Wissenschaftler feststellen, wie an potentiellen Standorten die Gesteinsschichten auf radioaktive Strahlung reagieren. Ein 1991 beschlossenes Gesetz verpflichtet die Pariser Regierung nämlich dazu, bis 2006 ein Projekt zur Errichtung eines atomaren Endlagers vorzulegen. Die Lagerung soll entweder in Lehm oder in Granit und in mindestens 300 Metern Tiefe erfolgen. "An den Granitstandorten war der politische Widerstand sehr hart; die Variante Lehm-Ton und deren scheinbar politisch ´weichere´ Formationen wirken bis jetzt geeigneter", so eine Vertreterin der französischen Koordination gegen Atommüllvergrabung. Bis 2006 soll also bei Bure getestet werden, ob hochradioaktiver Müll in den Lehm-Ton-Gesteins-Schichten in 500 m Tiefe ohne größeren "Wi-derstand" endgelagert werden könnte. 2006 entscheidet dann das Parlament, ob das Labor in ein Endlager um-gewandelt wird.In Frankreich wird von unterirdischen Laboratorien, also Versuchslagern und nicht von zentra-len Endlagerstätten gesprochen. Die ANDRA hat genü-gend Geld, um ganzseitige Werbeseiten zu schalten und Subventionen in die umliegenden Gemeinden zu pum-pen: An den anvisierten Standorten wurden seit Untersu-chungsbeginn jährlich 7,6 Mio. EUR für kommunale Auf-gaben zur Verfügung gestellt. Hier für die Restauration eines Kirchturms, da für den Bau eines Gemeindesaales. Für das anständige Funktionieren demokratischer Pro-zesse sind die Kassen jedoch gewollterweise leer.
Die Departements Meuse und Haute Marne, an deren Grenze das Endlagergelände liegt, erhalten während der "Testphase" bis zum Jahre 2006 jährlich 9 Mio. EUR. Alleine das "Versuchslabor" mit mehreren Kilometern Schächten und Stollen kostet 1,2 Mrd. EUR. Während der öffentlichen Anhörung im Planungsverfahren hat das staatliche französische Atommüllunternehmen ANDRA Millionen von Euro an die umliegenden Gemeinden gezahlt, damit sie für das Endlager in Bure stimmen, außerdem wurden Aufträge in Millionenhöhe vergeben. Kein Wunder, dass die unmittelbare Nachbarschaft in der strukturschwachen Region dem Projekt bisher kaum ablehnend gegenübersteht !

Internationaler Protest und Widerstand wachsen!
Was bisher in BURE geschah:

Seit 1994 wird international gegen das Projekt protestiert und der Widerstand gegen das geplante Atommüll-Labor auf dem Gelände der lothringischen Ortschaft Bure wächst.
Einige exemplarische Daten der letzten Jahre:

  • 1999 und 2000: Erstmalig finden Protestcamps direkt vor der Baustelle des Endlager-Labors statt. Von Anfang an sind auch vereinzelt deutsche Atomkraft-gegnerInnen vor Ort. In der dünnbesiedelten Region ist es schwierig, Widerstand zu organisieren, die beiden Netzwerke Bure-Stop und Reseau sortir du Nucléaire organisieren sich v.a.in umliegenden Regionen und Städten wie Nancy oder Bar-le-Duc.
  • 2001: Rund 100 Kommunalpolitiker aus verschiedenen französischen Regionen beteiligten sich am 22.7.01 am Protestzug nach Bure, wo sich bereits etwa 600 DemonstrantInnen in einem Widerstandscamp eingerichtet hatten:
    Ein 700km-Fußmarsch aus Südfrankreich, Radler aus ganz Frankreich, Deutschland und Österreich, Gruppen und Einzelpersonen aus Frankreich, Deutschland, Eng-land, Belgien, den Niederlanden, Italien und Österreich kommen nach Bure. Sie "leben und arbeiten" bis zu zwei Wochen gegenüber dem Labor. Insgesamt demonstrierten in Bure über 1000 Menschen aus ganz Europa gegen die Pläne der französischen Regierung, den atomaren Abfall zu vergraben. Insgesamt 1500 Men-schen hatten ihre Ablehnung des Endlagers mit Handabdrücken auf Transparenten verewigt, die den Eingang der Atomanlage nach der großen Kundgebung am 22.7.01 schmückten.
    "Gorleben ist überall!" An den Protesten nahmen auch VertreterInnen der BI Lüchow-Dannenberg bzw. aus dem Wendland teil. Sie erklärten sich solidarisch mit dem Widerstand gegen das Endlager in Bure: "Solange weiter Tag für Tag Atommüll produziert wird, werden wir unseren Widerstand in Gorleben und Bure nicht ruhen lassen."
  • 2002: In diesem Sommer findet das 3. Camp gegenüber der Baustelle des Labors statt. Ein Marsch über 70km entlang der "Route des Atommülls" führt an zwei bereits etablierten Lagern für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll vorbei. Der Marsch endet in Bure mit der Einweihung des "Auges der Wachsamkeit", einer Steinfigur, die gut sichtbar auf der Verkehrsinsel gegenüber dem Haupteingang des Labors aufgestellt wird.
  • 2003: Cattenom, das leistungsstärkste und pannenreichste AKW Frankreichs, wird ins Blickfeld gerückt: Bure-Stop und die Koordination gegen Endlagerung or-ganisieren eine Info-Tour vom Pannenreaktor Cattenom an der Grenze Luxemburg/Deutschland bis nach Bure, um die Bevölkerung entlang dieser Strecke auf die Achse AKW-Endlagerung aufmerksam zu machen.
  • 2004: In Frankreich beginnt dieses Jahr die Propaganda-Kampagne der französischen Regierung und Atomindust-rie für den Europäischen Druckwasser Reaktor (EPR). Auch in Brüssel kommt der EPR auf die Tagesordnung. Als Gegeninformations-Kampagne startet das französi-sche Netzwerk Atomausstieg eine "Anti-Atomkraft-Tour de France" gegen den EPR. Diese Tour taucht überall dort auf, wo die Regierungskampagne und ihre EPR-"Experten" Säle zu füllen versucht. Der von Frankreichs Parlament beschlossene EPR gilt als weltweiter Refe-renzreaktor: Die neue Generation von Atommeilern soll zu einer Renaissance der Atomkraft in Europa sowie in Schwellen- und Entwicklungsländern führen. Hauptvokabel in der Werbung ist das "verbessertes Sicherheitssystem" - vielleicht 3% weniger unsicher kontern Kritiker. AREVA, die französische Betreiberfirma, sucht nun einen Standort, um die EPR-Technik demonstrieren zu können. Geplant ist Penly, an der Nordwestküste Frankreichs und bereits beschlossen ist Olkiluoto im Westen Finnlands. Falls der rund 3,2 Mrd. € teure Druckwasser-Reaktor zustande käme, wäre es der erste Reaktor-Neubau in Frankreich seit 22 Jahren. Siemens ist mit 1/3 am EPR-Vorhaben beteiligt. Dass auch mit einem neuen Reaktor die Entsorgungsfrage ungelöst bleibt und auch der EPR nicht akzeptiert wird, machen die AktivistInnen zum Abschluss der Tour in Bure deut-lich: Eine Kampfansage an die Atomindustrie in Form einer 2-Meter hohen Faust reckt sich vor dem Ver-suchsendlager in den weiten Himmel Lothringens.
Bure Zone Libre

2004: Im August veranstaltet der Verein "Bure Zone Libre" (Freie Zone Bure) bei Bure ein Widerstands- und Diskussionscamp gegen das geplante Atommüll-Endlager. Zum Abschluss der Woche protestierten AtomkraftgegnerInnen vor der Versuchslager-Baustelle. In Anwesenheit der Presse und mit Unterstützung lokaler Gemeinderäte, wurden Atommüllfässer zur Hälfte in der Erde des neu mit Blumen bepflanzten Verkehrskreisels vergraben. Sie trugen weiße Schutzanzüge mit dem Logo der Betreiberfirma ANDRA - auf dem Transparent stand: "Unten Müll - oben Blumen: mit ANDRA gibt's eine Beerdigung der Extraklasse". Der deutsch-französisch-schweizerische Verein "Bure Zone Libre" (BZL) wurde 2004 mit dem Ziel gegründet, einen dauerhaften Widerstandsort gegen das Versuchslager zu installieren. Seit Jahren hat es zeitlich begrenzte Protestaktionen auf dem Gelände der ANDRA gegeben. Ende 2004 gelang es, ein altes Bauernhaus inmitten von Bure zu kaufen. Es ist stark renovierungsbedürftig. Mit der Hilfe vieler kann es zu einem lebendigen Widerstandort werden. Es befindet sich in direkter Nachbarschaft zum CLIS - dem staatlichen und damit parteilichen Öffentlichkeitsorgan. Die Präsenz signalisiert die Entschlossenheit der Anti-Atom-Bewegung und soll den Falschinformationen der französische Atommüllagentur gezielter entgegen wirken: "Die Pseudo-Informationen, die von der Atomindustrie und offiziellen Instanzen kommen, dienen nur der Gewissensberuhigung. Sie sollen glauben lassen, die Tiefen-Endlagerung sei eine akzeptable Lösung", so ein BZL-Vertreter.

Warum ein internationaler Verein?
Da die Atomindustrie international kooperiert, ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Anti-Atomkraft-Bewegung wichtiger den je. Die Zukunftsvision der Atomindustrie sieht den Pseudoausstieg Deutschlands durch neue Meiler in Frankreich, Nord- und Osteuropa ausgehebelt bzw. durch einen Regierungswechsel werden noch längere Laufzeiten erhofft. Auch die Suche nach einem Endlager läuft europaweit. Ein Geologe des Versuchlabors in Bure betont die Internationale Zusammenarbeit und nennt viele europäischen Firmen die beteiligt sind. Der Niedersächsische Umweltminister bekräftigte schon 2001: "Beim Atommüll ist eine euro-päische Lösung kein Tabu".

Bure Zone Libre ist ein weiterer Schritt der grenzüberschreitenden Anti-Atom-Kooperation:

Radioaktivität kennt keine Grenzen - unser Widerstand auch nicht!

KURZ-INFOS ZU BURE:

Der Standort für das französische Atommülllager ist nach dem benachbarten 100-Seelen-Dorf Bure benannt.
Bure befindet sich ca. 60 km südwestlich von Nancy im Departement Meuse in Lothringen.
Bure ist ca. 150 km von der deutsch-französischen und der schweizer-französischen Grenze entfernt.
Im Herbst 1999 war der Baubeginn für das erste fran-zösische "Atomklo".
Bis 2006 laufen die Versuche im Atommüll-Labor, dann muss das französische Parlament entscheiden, ob der Standort als Endlager in Betrieb genommen wird.
Die Betreiberfirma ANDRA pumpt jährlich mehrere Mio. Euro in die umliegenden Gemeinden, damit die politischen Vertreter für das Endlager in Bure stimmen. Kein Wunder, dass auch die Bevölkerung in der Region mit wenigen Arbeitsplätzen dem Projekt kaum ablehnend gegenübersteht.
Alleine das Versuchslabor mit mehreren Kilometern an Schächten und Stollen kostet 1,2 Mrd. EUR.
Das Versuchs-Endlager sollte ursprünglich 500 Meter in die Tiefe getrieben werden. So tief sind die Betreiber aber noch nicht vorgedrungen. Trotzdem werden die schon erhobenen Daten als "relevant" bezeichnet, und die Lehm-Ton-Schichten von den Befürwortern als geeignet bezeichnet.
Der Begriff "Labor" ist natürlich Quatsch: Wer Milliarden investiert, will sie nicht in den Sand bzw. in Lehm-Ton-Schichten verbaut haben.

Solidarität mit dem Widerstand in BURE !
Seit Anfang der 90er Jahre widerstehen mehrere Bürgerinitiativen der Region den Plänen der Atomindustrie, hier eine "Scheinlösung" für ihr unlösbares Müllproblem zu finden. Mehrere Demonstrationen und Camps - auch mit internationaler Beteiligung - haben stattgefunden. Bei den letzten Demos wurde die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit betont: Das Endlager Bure im Saar-Lor-Lux-Raum hat europäische Dimension und könnte auch für Atommüll aus dt. AKWs genutzt werden. Also ein Problemexport, um den Widerstand in Deutschland loszuwerden? Aus Deutschland erhalten die französischen Anti-Atom-Initiativen seit gut vier Jahren Unterstützung, trotzdem ist die Vernetzung an diesem europäischen Endlager-Standort noch zu wenig entwickelt, Bure zu wenig bekannt: Obwohl Bure für die halbe Bundesrepublik näher liegt als Gorleben, sind bisher nur wenige deutsche AtomkraftgegnerInnen zu den Protesten nach Lothringen gekommen. Die BI Lüchow-Dannenberg versucht mit einer Partnerschaft Solidarität zu beweisen, doch wenn nicht mehr deutsche Initiativen "Bure" auf ihre Tagesordnung setzen, wird Bure bald fast unbemerkt zum europäischen Endlager für Atommüll ausgebaut und schneller in Betreib genommen wie Gorleben.

Bure-Stop-Gruppe-Trier c/o I.f.A.T., Friedens- und Umweltzentrum, Pfützenstraße 1, D - 54290 Trier
Kontakt: atomausstieg@yahoo.de Stand: Juni 2005

 

     

 
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