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Gemeinsam
gegen das europäische Endlager in Bure / Lothringen (F.)
Ein
Reader zum geplanten Endlager für Atommüll in Frankreich
mit Texten zu Lage, Hintergrund und Widerstand.
Gorleben
ist überall - Nein zum Endlager Bure!
Was und wo ist
Bure ?
Der Endlagerstandort
wurde nach dem verschlafenen 100-Seelen-Dorf Bure benannt auf dessen
Gemarkung er liegt. Bure wird wie "Bür" gesprochen,
der Ort Bure befindet sich gut einen Kilometer entfernt und ist
ein typisches Bauerndorf in dieser ländlichen und bevölkerungsarmen
Region.
Mehrere Kilometer Metallgitter schützen das terrassierte und
inzwischen mit mehreren Gebäuden, Anlagen und Wegen erschlossene
rund 17 ha Gelände in Ostlothringen. Seit Herbst 1999 wird
hier ein atomares "Endlagerlabor" gebaut. Ein geräumiger
Parkplatz, ein neuer Verkehrskreisel mit voll aus-gebauten Zufahrtsstraßen
in alle Himmelsrichtungen und das fast schon komplett vorbereitete
Endlager lassen sich kaum als reines Testgelände interpretieren,
zumal das gesamte Areal von Jahr zu Jahr festungsähnlicher
ausgebaut und infrastrukturell er- weitert wurde. Offiziell handelt
es sich aber nur um ein Versuchslabor. 1995 war von rund 120.000
Tonnen mittel- und hochradioaktivem Müll die Rede, für
den es bis heute weder ein Endlager noch eine Verpackung gibt. Die
Atomindustrie hofft in Bure eine "Scheinlösung" für
ihr unlösbares Müllproblem zu finden. Mit der Idee von
Atommülllagern wird lediglich ein sicherer Umgang mit dem hoch
radioaktiv Müll vorge-gaukelt, während täglich neuer
Müll produziert wird. Solange sowohl in Frankreich als auch
in der Bundesrepublik Deutschland weiterhin AKW's laufen und täglich
Atommüll produzieren, lehnt die Anti-Atom-Bewegung den Bau
von Endlagern ab. Das französische Atommülllager in Bure
wird auch mit über 7 Mio. € EURATOM-Forschungsgeldern
finanziert, verschiedene europäische und auch deutsche Firmen
sind beteiligt - daher erscheint die Lagerung von Atommüll
aus anderen europäischen also auch deutschen AKWs möglich,
befürchten GegnerInnen.
Warum BURE?
Geologische Eignungsfaktoren oder politische Durchsetzbarkeit?
Im Auftrag der
französischen Atommüll-Behörde ANDRA sollen Wissenschaftler
feststellen, wie an potentiellen Standorten die Gesteinsschichten
auf radioaktive Strahlung reagieren. Ein 1991 beschlossenes Gesetz
verpflichtet die Pariser Regierung nämlich dazu, bis 2006 ein
Projekt zur Errichtung eines atomaren Endlagers vorzulegen. Die
Lagerung soll entweder in Lehm oder in Granit und in mindestens
300 Metern Tiefe erfolgen. "An den Granitstandorten war der
politische Widerstand sehr hart; die Variante Lehm-Ton und deren
scheinbar politisch ´weichere´ Formationen wirken bis
jetzt geeigneter", so eine Vertreterin der französischen
Koordination gegen Atommüllvergrabung. Bis 2006 soll also bei
Bure getestet werden, ob hochradioaktiver Müll in den Lehm-Ton-Gesteins-Schichten
in 500 m Tiefe ohne größeren "Wi-derstand"
endgelagert werden könnte. 2006 entscheidet dann das Parlament,
ob das Labor in ein Endlager um-gewandelt wird.In Frankreich wird
von unterirdischen Laboratorien, also Versuchslagern und nicht von
zentra-len Endlagerstätten gesprochen. Die ANDRA hat genü-gend
Geld, um ganzseitige Werbeseiten zu schalten und Subventionen in
die umliegenden Gemeinden zu pum-pen: An den anvisierten Standorten
wurden seit Untersu-chungsbeginn jährlich 7,6 Mio. EUR für
kommunale Auf-gaben zur Verfügung gestellt. Hier für die
Restauration eines Kirchturms, da für den Bau eines Gemeindesaales.
Für das anständige Funktionieren demokratischer Pro-zesse
sind die Kassen jedoch gewollterweise leer.
Die Departements Meuse und Haute Marne, an deren Grenze das Endlagergelände
liegt, erhalten während der "Testphase" bis zum Jahre
2006 jährlich 9 Mio. EUR. Alleine das "Versuchslabor"
mit mehreren Kilometern Schächten und Stollen kostet 1,2 Mrd.
EUR. Während der öffentlichen Anhörung im Planungsverfahren
hat das staatliche französische Atommüllunternehmen ANDRA
Millionen von Euro an die umliegenden Gemeinden gezahlt, damit sie
für das Endlager in Bure stimmen, außerdem wurden Aufträge
in Millionenhöhe vergeben. Kein Wunder, dass die unmittelbare
Nachbarschaft in der strukturschwachen Region dem Projekt bisher
kaum ablehnend gegenübersteht !
Internationaler
Protest und Widerstand wachsen!
Was bisher in BURE geschah:
Seit 1994 wird
international gegen das Projekt protestiert und der Widerstand gegen
das geplante Atommüll-Labor auf dem Gelände der lothringischen
Ortschaft Bure wächst.
Einige exemplarische Daten der letzten Jahre:
- 1999 und
2000: Erstmalig finden Protestcamps direkt vor der Baustelle des
Endlager-Labors statt. Von Anfang an sind auch vereinzelt deutsche
Atomkraft-gegnerInnen vor Ort. In der dünnbesiedelten Region
ist es schwierig, Widerstand zu organisieren, die beiden Netzwerke
Bure-Stop und Reseau sortir du Nucléaire organisieren sich
v.a.in umliegenden Regionen und Städten wie Nancy oder Bar-le-Duc.
- 2001: Rund
100 Kommunalpolitiker aus verschiedenen französischen Regionen
beteiligten sich am 22.7.01 am Protestzug nach Bure, wo sich bereits
etwa 600 DemonstrantInnen in einem Widerstandscamp eingerichtet
hatten:
Ein 700km-Fußmarsch aus Südfrankreich, Radler aus ganz
Frankreich, Deutschland und Österreich, Gruppen und Einzelpersonen
aus Frankreich, Deutschland, Eng-land, Belgien, den Niederlanden,
Italien und Österreich kommen nach Bure. Sie "leben
und arbeiten" bis zu zwei Wochen gegenüber dem Labor.
Insgesamt demonstrierten in Bure über 1000 Menschen aus ganz
Europa gegen die Pläne der französischen Regierung,
den atomaren Abfall zu vergraben. Insgesamt 1500 Men-schen hatten
ihre Ablehnung des Endlagers mit Handabdrücken auf Transparenten
verewigt, die den Eingang der Atomanlage nach der großen
Kundgebung am 22.7.01 schmückten.
"Gorleben ist überall!" An den Protesten nahmen
auch VertreterInnen der BI Lüchow-Dannenberg bzw. aus dem
Wendland teil. Sie erklärten sich solidarisch mit dem Widerstand
gegen das Endlager in Bure: "Solange weiter Tag für
Tag Atommüll produziert wird, werden wir unseren Widerstand
in Gorleben und Bure nicht ruhen lassen."
- 2002: In
diesem Sommer findet das 3. Camp gegenüber der Baustelle
des Labors statt. Ein Marsch über 70km entlang der "Route
des Atommülls" führt an zwei bereits etablierten
Lagern für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll
vorbei. Der Marsch endet in Bure mit der Einweihung des "Auges
der Wachsamkeit", einer Steinfigur, die gut sichtbar auf
der Verkehrsinsel gegenüber dem Haupteingang des Labors aufgestellt
wird.
- 2003: Cattenom,
das leistungsstärkste und pannenreichste AKW Frankreichs,
wird ins Blickfeld gerückt: Bure-Stop und die Koordination
gegen Endlagerung or-ganisieren eine Info-Tour vom Pannenreaktor
Cattenom an der Grenze Luxemburg/Deutschland bis nach Bure, um
die Bevölkerung entlang dieser Strecke auf die Achse AKW-Endlagerung
aufmerksam zu machen.
- 2004: In
Frankreich beginnt dieses Jahr die Propaganda-Kampagne der französischen
Regierung und Atomindust-rie für den Europäischen Druckwasser
Reaktor (EPR). Auch in Brüssel kommt der EPR auf die Tagesordnung.
Als Gegeninformations-Kampagne startet das französi-sche
Netzwerk Atomausstieg eine "Anti-Atomkraft-Tour de France"
gegen den EPR. Diese Tour taucht überall dort auf, wo die
Regierungskampagne und ihre EPR-"Experten" Säle
zu füllen versucht. Der von Frankreichs Parlament beschlossene
EPR gilt als weltweiter Refe-renzreaktor: Die neue Generation
von Atommeilern soll zu einer Renaissance der Atomkraft in Europa
sowie in Schwellen- und Entwicklungsländern führen.
Hauptvokabel in der Werbung ist das "verbessertes Sicherheitssystem"
- vielleicht 3% weniger unsicher kontern Kritiker. AREVA, die
französische Betreiberfirma, sucht nun einen Standort, um
die EPR-Technik demonstrieren zu können. Geplant ist Penly,
an der Nordwestküste Frankreichs und bereits beschlossen
ist Olkiluoto im Westen Finnlands. Falls der rund 3,2 Mrd. €
teure Druckwasser-Reaktor zustande käme, wäre es der
erste Reaktor-Neubau in Frankreich seit 22 Jahren. Siemens ist
mit 1/3 am EPR-Vorhaben beteiligt. Dass auch mit einem neuen Reaktor
die Entsorgungsfrage ungelöst bleibt und auch der EPR nicht
akzeptiert wird, machen die AktivistInnen zum Abschluss der Tour
in Bure deut-lich: Eine Kampfansage an die Atomindustrie in Form
einer 2-Meter hohen Faust reckt sich vor dem Ver-suchsendlager
in den weiten Himmel Lothringens.
Bure Zone Libre
2004: Im August
veranstaltet der Verein "Bure Zone Libre" (Freie Zone
Bure) bei Bure ein Widerstands- und Diskussionscamp gegen das geplante
Atommüll-Endlager. Zum Abschluss der Woche protestierten AtomkraftgegnerInnen
vor der Versuchslager-Baustelle. In Anwesenheit der Presse und mit
Unterstützung lokaler Gemeinderäte, wurden Atommüllfässer
zur Hälfte in der Erde des neu mit Blumen bepflanzten Verkehrskreisels
vergraben. Sie trugen weiße Schutzanzüge mit dem Logo
der Betreiberfirma ANDRA - auf dem Transparent stand: "Unten
Müll - oben Blumen: mit ANDRA gibt's eine Beerdigung der Extraklasse".
Der deutsch-französisch-schweizerische Verein "Bure Zone
Libre" (BZL) wurde 2004 mit dem Ziel gegründet, einen
dauerhaften Widerstandsort gegen das Versuchslager zu installieren.
Seit Jahren hat es zeitlich begrenzte Protestaktionen auf dem Gelände
der ANDRA gegeben. Ende 2004 gelang es, ein altes Bauernhaus inmitten
von Bure zu kaufen. Es ist stark renovierungsbedürftig. Mit
der Hilfe vieler kann es zu einem lebendigen Widerstandort werden.
Es befindet sich in direkter Nachbarschaft zum CLIS - dem staatlichen
und damit parteilichen Öffentlichkeitsorgan. Die Präsenz
signalisiert die Entschlossenheit der Anti-Atom-Bewegung und soll
den Falschinformationen der französische Atommüllagentur
gezielter entgegen wirken: "Die Pseudo-Informationen, die von
der Atomindustrie und offiziellen Instanzen kommen, dienen nur der
Gewissensberuhigung. Sie sollen glauben lassen, die Tiefen-Endlagerung
sei eine akzeptable Lösung", so ein BZL-Vertreter.
Warum ein
internationaler Verein?
Da die Atomindustrie international kooperiert, ist die grenzüberschreitende
Zusammenarbeit der Anti-Atomkraft-Bewegung wichtiger den je. Die
Zukunftsvision der Atomindustrie sieht den Pseudoausstieg Deutschlands
durch neue Meiler in Frankreich, Nord- und Osteuropa ausgehebelt
bzw. durch einen Regierungswechsel werden noch längere Laufzeiten
erhofft. Auch die Suche nach einem Endlager läuft europaweit.
Ein Geologe des Versuchlabors in Bure betont die Internationale
Zusammenarbeit und nennt viele europäischen Firmen die beteiligt
sind. Der Niedersächsische Umweltminister bekräftigte
schon 2001: "Beim Atommüll ist eine euro-päische
Lösung kein Tabu".
Bure Zone Libre
ist ein weiterer Schritt der grenzüberschreitenden Anti-Atom-Kooperation:
Radioaktivität
kennt keine Grenzen - unser Widerstand auch nicht!
KURZ-INFOS ZU
BURE:
Der Standort
für das französische Atommülllager ist nach dem benachbarten
100-Seelen-Dorf Bure benannt.
Bure befindet sich ca. 60 km südwestlich von Nancy im Departement
Meuse in Lothringen.
Bure ist ca. 150 km von der deutsch-französischen und der schweizer-französischen
Grenze entfernt.
Im Herbst 1999 war der Baubeginn für das erste fran-zösische
"Atomklo".
Bis 2006 laufen die Versuche im Atommüll-Labor, dann muss das
französische Parlament entscheiden, ob der Standort als Endlager
in Betrieb genommen wird.
Die Betreiberfirma ANDRA pumpt jährlich mehrere Mio. Euro in
die umliegenden Gemeinden, damit die politischen Vertreter für
das Endlager in Bure stimmen. Kein Wunder, dass auch die Bevölkerung
in der Region mit wenigen Arbeitsplätzen dem Projekt kaum ablehnend
gegenübersteht.
Alleine das Versuchslabor mit mehreren Kilometern an Schächten
und Stollen kostet 1,2 Mrd. EUR.
Das Versuchs-Endlager sollte ursprünglich 500 Meter in die
Tiefe getrieben werden. So tief sind die Betreiber aber noch nicht
vorgedrungen. Trotzdem werden die schon erhobenen Daten als "relevant"
bezeichnet, und die Lehm-Ton-Schichten von den Befürwortern
als geeignet bezeichnet.
Der Begriff "Labor" ist natürlich Quatsch: Wer Milliarden
investiert, will sie nicht in den Sand bzw. in Lehm-Ton-Schichten
verbaut haben.
Solidarität
mit dem Widerstand in BURE !
Seit Anfang der 90er Jahre widerstehen mehrere Bürgerinitiativen
der Region den Plänen der Atomindustrie, hier eine "Scheinlösung"
für ihr unlösbares Müllproblem zu finden. Mehrere
Demonstrationen und Camps - auch mit internationaler Beteiligung
- haben stattgefunden. Bei den letzten Demos wurde die Notwendigkeit
internationaler Zusammenarbeit betont: Das Endlager Bure im Saar-Lor-Lux-Raum
hat europäische Dimension und könnte auch für Atommüll
aus dt. AKWs genutzt werden. Also ein Problemexport, um den Widerstand
in Deutschland loszuwerden? Aus Deutschland erhalten die französischen
Anti-Atom-Initiativen seit gut vier Jahren Unterstützung, trotzdem
ist die Vernetzung an diesem europäischen Endlager-Standort
noch zu wenig entwickelt, Bure zu wenig bekannt: Obwohl Bure für
die halbe Bundesrepublik näher liegt als Gorleben, sind bisher
nur wenige deutsche AtomkraftgegnerInnen zu den Protesten nach Lothringen
gekommen. Die BI Lüchow-Dannenberg versucht mit einer Partnerschaft
Solidarität zu beweisen, doch wenn nicht mehr deutsche Initiativen
"Bure" auf ihre Tagesordnung setzen, wird Bure bald fast
unbemerkt zum europäischen Endlager für Atommüll
ausgebaut und schneller in Betreib genommen wie Gorleben.
Bure-Stop-Gruppe-Trier
c/o I.f.A.T., Friedens- und Umweltzentrum, Pfützenstraße
1, D - 54290 Trier
Kontakt: atomausstieg@yahoo.de Stand: Juni 2005
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