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Redebeitrag Zu EURATOM und EU-Verfassung
auf der Demo in Obrigheim
am 24. April 2005 von Markus Pflüger, Initiative für Atomausstieg
Trier
Liebe Atomkraftgegnerinnen
und Atomkraftgegner,
Viele glauben
der rot-grünen Selbstbeweihräucherung, sie glauben der
Atomkonsens sei ein Ausstieg, sie glauben Deutschland steige langsam
aus der Atomenergie aus. Dass dieser Atomkonsens eine inakzeptable
Weiterbetriebsgarantie ist, wurde schon ausführlich erläutert.
Ein Aspekt der oft vergessen wird, der jetzt aber besondere Bedeutung
gewinnt, ist Europa. Deswegen geht es in diesem Redebeitrag um Europa
und darum wie die rot-grüne Bundesregierung neue europäische
AKW's mitfinanziert und es scheinbar niemand merkt und es geht um
das für AtomkraftgegnerInnen nach dieser Rede hoffentlich selbstverständliche
Nein zu DIESER EU- Verfassung.
Der EURATOM-Vertrag
wurde 1957 von damals sechs Ländern unterzeichnet. Diese Europäische
Atomgemeinschaft fördert seit dem die Entwicklung der Atomenergie
in den Mitgliedsstaaten mit Investitionen und Krediten in Milliardenhöhe,
mit Steuererleichterungen, Forschungsprogrammen und der Sicherstellung
mit Uranerz und Kernbrennstoffen.
In den letzten 50 Jahren flossen etwa 90 Prozent aller Forschungs-
und Entwicklungsausgaben im Energiebereich der OECD-Länder
in die Atomenergie. Weltweit wurden über 1.000 Milliarden Dollar
für die Subventionierung der Atomenergie ausgegeben. Trotz
dieser gigantischen Summen ist die Atomenergie immer noch auf staatliche
Unterstützungen angewiesen. Weiterhin erhält die Atomenergie
Unterstützung für Forschung und Entwicklung. Die Atomenergie
erhält weiterhin Vorteile bei der Steuer durch überhöhte
Rückstellungen, durch fehlende Brennstäbe-Besteuerung
sowie durch fehlende Haftpflichtversicherung - von den externen
Kosten und den Folgekosten für kommende Generationen mal abgesehen.
Die EU Finanzminister
haben am 12.04.2005 den zukünftigen EU Finanzhaushalt diskutiert.
Deutschland zahlt aktuell 20 Milliarden Euro in den EU Haushalt.
Bis 2011 sollen es 40 Milliarden Euro sein. Konkret wurde auch der
neue Rahmen für die Gelder für Atomenergieforschung im
Rahmen des EURATOM-Vertrages neu abgesteckt:
· Die Gelder für die Atom-Fusionsforschung sollen von
824 auf 2167 Mio. EURO steigen
· Für Atomspaltung, Endlager und Strahlenschutzforschung
von 209 auf 395 Mio. EURO und
· Für die atomaren Joint Research Forschungszentren
von 319 auf 541 Mio. EURO
Die Atomforschungsmittel sollen also insgesamt von 1352 Mio. Euro
auf 3103 Mio. EURO steigen.
Eine Steigerung von über 200 % mehr EURATOM-Forschungsgelder
für die Atomenergie. Davon zahlt Deutschland fast ein Viertel.
Der EURATOM
bringt auch nicht mehr Sicherheit wie manche behaupten: ein Beispiel
aus dem Jahre 2003: die Polizei entdeckte im niederländischen
AKW Petten wie radioaktives Material ungeschützt bei Gasflaschen
herumlag - doch diese Missstände wurden nicht strafrechtlich
verfolgt - die EU-Kommission intervenierte um das zu verhindern:
der Reaktor werde von der EURATOM-Behörde betrieben, die Mitarbeiter
genießen daher strafrechtliche Immunität. Was ist von
einer Pro-Atom-EU-Kommission auch anderes zu erwarten? Die für
Sicherheit zuständigen EURATOM-Institutionen wurden dazu geschaffen
die Sicherheits- und Strahlenbelastungskriterien den Interessen
der Atomindustrie anzupassen.
Im Rahmen des
EURATOM-Programms werden auch Neubauten außerhalb der EU unterstützt
z.B. im Jahre 2000 wurden 585 Mio US-Dollar Kredit für zwei
Atomkraftwerke in der Ukraine in Aussicht gestellt. In Bulgarien
sollen 6 Atomkraftwerke die aufgrund von Protesten nicht fertig
gestellt wurden mit EURATOM-Fördermitteln nächstes Jahr
fertiggestellt werden und doch noch in Betrieb gehen. Dank EURATOM.
In Europa selbst
sind ebenfalls neue Atomkraftwerke in Planung: der Europäische
Druckwasser-Reaktor EPR als europäisches Modell für AKW-Neubauten
und den Export auch in die Dritte Welt soll der EPR von der deutschen
Firma Siemens und dem französichen Konzern Framatom die nächsten
Jahre in Frankreich und Finnland gebaut werden.
Und dann wird
hier über die längst überfällige Abschaltung
eines Schrottreaktors gejubelt - nein da könnte man kotzen.
Obrigheim abschalten und neue AKW'S in anderen Ländern unterstützen
- Danke Rot-Grün, Danke EU.
Noch einige
Worte zum EU-Verfassungsvertrag der jetzt in den einzelnen Ländern
ratifiziert werden soll und mit dem auch der EURATOM-Vertrag seine
Gültigkeit behalten soll. Nur in wenigen Ländern dürfen
die BürgerInnen direkt darüber abstimmen. In Deutschland
wird der EU-Verfassungsvertrag vom Bundestag am 12.5. und vom Bundesrat
am 27.5. durchgewunken. In Frankreich dagegen ist am 29.5. ein Referendum
- und die Chancen für ein NON stehen gut. Attac und ein Kampagne
aus der Friedensbewegung unterstützen das französische
NON.
Warum Nein zu
dieser EU-Verfassung?
Ich will die wichtigsten Punkte nennen - und um es vorweg zu nehmen:
dieses Nein ist ein Ja zu einem anderen Europa. So beginnt auch
heute die erste Aktionswoche der Kampagne gegen die Ratifizierungen
DIESER EU-Verfassung - für ein ziviles, solidarisches, demokratisches
und ökologisches Europa ohne Atomenergie - nächsten Samstag
am 30.4. sind bundesweit Gruppen aufgerufen aus dieser Verfassung
die kritisierten Stellen vorzulesen:
Also Zitate aus der Verfassung
· zur Aufrüstungsverpflichtung für die EU-Länder,
· zur Ermächtigung zu weltweiten Kriegseinsätzen,
· zur Stärkung eines militärischen Führungszirkels
mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien
· zur militärische Beistandsverpflichtung und die Präventivkriegsoption
· zur Privatisierung öffentlicher Dienste
· zur Opferung der Ökologie für den Profit
· zur Fortsetzung der Privilegierung der Atomenergie
· und dazu dass der Neoliberalismus Verfassungsrang erhalten
soll.
Neben Punkten
wie der Aufrüstungs der EU-Militärmacht mit weltweiten
Kriegseinsätzen kritisieren wir heute besonders die Fortsetzung
der Privilegierung der Atomenergie durch den weiterhin gültigen
EURATOM-Vertrag. Statt diesen unzeitgemäßen Pro-Atomkraft-Vertrag
endlich aufzuheben wird er durch diese Verfassung sogar noch mal
bekräftigt: weiterhin sollen Millionen Euro Steuergelder für
Forschung und Neubau-Subventionen missbraucht werden - obwohl nur
eine Minderheit der EU-Länder weiterhin auf diese Risikotechnologie
setzt und dabei ein unlösbares Atommüllproblem hinterlässt.
Von 25 EU-Ländern, betreiben 13 Atomkraftwerke, drei davon
wollen aussteigen.
Unfälle wie in Harrisburg 1979, Tschernobyl 1986 oder Tokaimura
2001 sowie Gefahren wie Uranmunition und die Verbreitung von Atomwaffen
bei zunehmendem Terrorismus zeigen wie anachronistisch und verantwortungslos
die weitere Förderung der Atomenergie ist.
Kritik an dieser EU-Verfassung und dem im Anhang weiter gültigen
EURATOM-Vertrag ist also dringend notwendig: "Die EU-Verfassung
ist militaristisch, undemokratisch und neoliberal - Ökologie
wird dem Profit geopfert, und mit dem angehängten weitergültigen
EURATOM-Vertrag Atomkraft weiterhin gefördert - wir wollen
aber ein anderes Europa ohne Atomkraft, wir wollen Eurenew statt
Euratom
Unser Kampf
für die sofortige Abschaltung aller Atomanlagen geht also weiter
und dazu gehört aktuell auch: Nein zum EURATOM-Vertrag und
damit Nein zu DIESER EU-Verfassung!
Wer Ja zu DIESER Verfassung sagt, sagt Ja zum weiteren Ausbau der
Atomenergie,
Ja zur Verfassung heißt Ja zu Millionen Subventionen für
die Atomindustrie und die Atomforschung
Ja zur EU-Verfassung heißt Ja zum EPR, dem neuen europäischen
Druckwasserreaktor von Framatom und Siemens
Was kann jede
und jeder konkret tun?
1. Siemensprodukte solange boykottieren bis Siemens statt neue Reaktoren
zu bauen aus dem Atomgeschäft aussteigt
2. Zu einem Ökostromanbieter wechseln und damit keinen Cent
mehr für die Atomindustrie
3. Noch bis 26. April die Europäische Petition für den
Atomausstieg unterschreiben: z.B. unter www.atomstopp.at
4. Über den neoliberalen und undemokratischen Charakter dieser
EU-Verfassung mit angehängtem EURATOM-Vertrag aufklären
und v.a. frz. FreundInnen überzeugen: Gebt mit Eurem Nein auch
uns in Deutschland eine Stimme und sagt NON!" (Infos unter
www.eu-verfassung.com)
Nein, eine Schwalbe
macht noch keinen Sommer -
Und das rot-grüne Geschwalle noch keinen Ausstieg!
Danke
Kontakt: mail
@ markus-pflueger.de
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