|
Das
atomare Weihnachtsmärchen
Es
begab sich vor wenigen Tagen, mitten in der Vorweihnachtszeit in
Berlin. Im Bundestag wurde die Atomnovelle beschlossen. Irgendwann,
in einigen Jahrzehnten soll den AKWs das Licht ausgeblasen werden.
Um dieses Wunder zu vollbringen war die ganze Regierungskunst von
rot/grün gefordert. Es galt die bösen Herrscher in den Chefetagen
der Energieversorgungsunternehmen zu überzeugen. Diese hatten vor
dem Regierungsantritt der Sozis und der Grünen fürchterliche Zeiten
hinter sich. Das Volk begehrte zuhauf auf. Zehntausende wollten
in den offenen Blechscheunen - Zwischenlager genannt - im Norden
der Republik die strahlenden Wundertüten nicht mehr haben. Und nachdem
jahrzehntelang Grenzwerte bei Transporten tausendfach überschritten
werden konnten, führte diese Lappalie plötzlich zu einem von der
schwarzen Merkel verhängten mehrjährigem Transportstopp. Daraufhin
quollen die Hallenbäder für die nach hunderttausenden von Jahren
vollkommen ungefährlichen Stäbchen in den 19 bundesweiten runden
Kuppeln über und über. Groß war die Not im ganzen Land. Nach glücklichen
atomaren Jahren drohte fürchterliches Ungemach, das Abschalten stand
vor der Tür. Ratlosigkeit herrschte bei den atomaren Rittern allerorten.
Das Volk wollte Fakten und keine weiteren Lügen.

So
begab es sich, dass rot/grün eine Idee hatte und das Märchen
vom Atomausstieg nahm seinen Lauf. Bereits in der Koalitionsvereinbarung
war dieses Kind zur Beruhigung des aufgebrachten Volkes geboren
worden. Sofortiges Beenden der Wiederaufarbeitung schallte es in
die Welt hinaus, selbst der Entzug der Betriebserlaubnis wegen der
ungeklärten Endlagerfrage wurde den atomaren Herren angedroht.
Wenn, ja wenn sie nicht zu einer Vereinbarung über den Atomausstieg
bereit wären. Ob dieser gar fürchterlichen Drohungen setzte
eine rege Reisetätigkeit im ganzen Lande ein. Die Herren Vorstände
trafen sich gar häufig mit dem Minister und ab und an mit seinem
Boß Gerhard. Immer kurz vor diesen Treffen zückten sie
ihre Taschenrechner und verkündeten neue Millionen- und Milliardenzahlen.
Nein, nicht um zu gestehen wie viele atomare Kreuzer sie bereits
an Subventionen erhalten hatten. Nein, auch nicht um wegen der 75
Milliarden steuerbegünstigter Rückstellungen um Vergebung
und freiwillige Rückzahlung zu bitten. Weit gefehlt. Statt
sofort Abzuschalten und den ganzen atomaren Unsinn zu beenden, forderten
sie für ihre längst abgeschriebenen Atomkraftwerke sogar
noch eine Entschädigung.
Dies verwirrte
Jürgen und Gerhard gar sehr. Bares an die atomaren Herren hätte
sicherlich ihren Kopf gekostet. Doch auch hier fanden die beiden
trickreich eine Lösung. Also begann das Zeitalter der Atomstromrechner:
Man nehme jeweils die letzten zehn Jahre, suche davon die fünf
Besten eines jeden AKWs aus. Errechne wiederum davon den Durchschnitt
und multipliziere ihn noch einmal mit 5,5. Nenne diese Summe dann
genial "Reststrommenge", multipliziert mit 32 Jahren "Regellaufzeit"
und fertig ist der Atomausstieg. Um die Verhandlungspartner dergestalt
in Ausstiegslaune zu halten erlaubten die beiden dann flugs noch
die Wiederaufnahme der seit drei Jahren verbotenen Atommülltransporte.
Denn diese mussten zum Thema Atomausstieg in den Jahreshauptversammlungen
ihrer Aktiengesellschaften antreten. Doch statt Trübsal und
Weltuntergang verkündeten sie dort das hohe Lied der zugesagten
Betriebssicherheit bei eingefrorenen Sicherheitsstandards, den ungestörten
Betrieb, die Möglichkeit der Verdoppelung der bisherigen Atomstrommenge
im jahrzehntelangen Weiterbetrieb, das Verhindern von Abschaltungen
durch Stromübertragungsmöglichkeiten, die aktive Mitwirkung
am Text des neuen Atomgesetzes. So heimste der Atomausstieg auch
dort viel Lob ein.
Der beschleunigte
daraufhin seinen Gesetzeslauf. Das Märchen vom Atomausstieg
wurde vollendet. Wer dran glaubt ist selig. Alle anderen Blockieren
weiter.
|