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Atomausstieg
ohne abschalten?
AKW Obrigheim soll weiterlaufen
Die
Energie Baden-Württemberg hat beim Bundesumweltministerium den Weiterbetrieb
des Atomkraftwerkes Obrigheim bis zum Frühjahr 2007 beantragt. Die
Übertragung von Strommengen des GKN2 in Neckarwestheim soll dies
ermöglichen. Laut dem „Atomausstiegsgesetz“ wäre am 31.12.2002 Schluß
mit Atomstrom aus Obrigheim.

Einer der größten Erfolge von Rot/Grün in ihrer
bisherigen vierjährigen Regentschaft ist es, den sogenannten
Konsens mit den Energiekonzernen als Atomausstieg in der Öffentlichkeit
zu verkaufen. Ein Ausstieg ohne abzuschalten - dieses Wunder soll
nun am Beispiel des AKW Obrigheim vollbracht werden. Die Atommüllproduktion
soll dort ungehindert bis nach der nächsten Bundestagswahl
weitergehen.
Die festgelegte Regellaufzeit von 32 Jahren hatte das
AKW Obrigheim schon beim unterzeichnen des Konsens überschritten.
Seit April 1969 wird dort Atomstrom und hochradioaktiver Abfall
produziert. Damit nicht sofort der Exodus für das AKW kommt,
wurde geregelt: Für Obrigheim wird eine Übergangsfrist
bis zum 31.12.2002 vereinbart. Die Grünen feierten dies
als ihren Sieg, stand doch wenigstens für ein AKW ein Abschaltdatum
fest. Ansonsten geht es im gesamten Konsens ja nur um noch zu produzierende
Strommengen ohne festgelegte Stilllegungstermine.
Die
Unterschriften der verantwortlichen Herren Vorstände und der
Regierung unter dem paraphierten Papier waren noch nicht getrocknet,
da kam schon das Gerücht einer Absprache unter vier Augen auf.
Angeblich hatte ENBW-Boß Goll seinen Federhalter nur gezückt,
da Schröder ihm persönlich zugesagt hatte, daß Obrigheim
natürlich nicht am 31.12.02 stillgelegt wird, da würde
schon noch eine Lösung gefunden werden. Wie bei bösen
Gerüchten üblich wurde dieses sofort dementiert und es
veflüchtigte sich hernach wieder. Friede war eingekehrt in
der Regierungskoalition - gab es doch einen Atomausstieg auf dem
Papier. Denn real soll - außer Stade von E.ON aus wirtschaftlichen
Gründen - frühestens im Jahr 2007 der Dauerpannenreaktor
Biblis A vom atomaren Kreislauf gehen.
Noch ein wunderbarer Satz steht im Konsens: Zwischen den Verhandlungspartnern
besteht Einvernehmen, dass die Flexibilität genutzt wird, um
Strommengen von weniger wirtschaftlichen Anlagen auf wirtschaftlichere
Anlagen zu übertragen. Deshalb werden grundsätzlich Strommengen
von älteren auf neuere und von kleineren auf größere
Anlagen übertragen.
Verstehe noch einer den ENBW-Antrag, jetzt von Neckarwestheim II
- als jüngstem und angeblich modernsten deutschen AKW - Strommengen
auf den Uraltreaktor Obrigheim zu übertragen. Aber wie es bei
einem rot/grünen Atomausstieg üblich ist, gibt es auch
diese Art von ja nicht abschalten müssen. Wenn die Regierung
es genehmigt, geht dieser Weiterbetrieb, steht im Gesetz. Ja, hat
der Schröder also doch schon zugesagt? Spannende Wochen stehen
an.
Das Ausstiegsgesetz
ist eine Farce, egal wie im Fall Obrigheim die Regierung entscheidet.
Der Atomausstieg in Form eines Abschaltens kommt nur, wenn sich
viele aktiv dafür einsetzen. Gelegenheiten dazu gibt es in
diesem Jahr noch einige.
Wann sehen wir
uns?!
Siehe auch:
Ein
Plädoyer, sich wieder einzumischen -
Bilanz
von 4 Jahren rot-grüner Atompolitik
(September 2002)
Das atomare Weihnachtsmärchen
- 14. Dezember 2001: Der Bundestag beschliesst den "Atomausstieg"
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