Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim 
Leerer Castor rollt nach Neckarwestheim
    Berliner Zeitung, 31.07.99

    ATOM

    Leerer Castor rollt nach Neckarwestheim
    Transportgenehmigung für strahlenden Müll steht aus

    von Ewald B. Schulte

     BERLIN, 30. Juli. Für den vom Betreiber des Kernkraftwerks 
    Nekkarwestheim beantragten Atommülltransport soll bereits in den 
    nächsten Tagen ein Castor-Behälter der britischen 
    Wiederaufarbeitungsfirma BNFL nach Baden-Württemberg gebracht werden. Wie
    die Cargo-Tochter der Deutschen Bahn bestätigte, soll der zuvor von den
    Briten dekontaminierte und freigemessene Leer-Container am 11. August auf
    dem Schienenweg nach Neckarwestheim kommen. Der entsprechende
    Frachtauftrag liege der Bahn vor.

     Eine Genehmigung zur Durchführung des Atommüll-Transports nach 
    Sellafield gibt es jedoch bislang nicht. Wie das Bundesamt für 
    Strahlenschutz der "Berliner Zeitung" bestätigt hatte, könnten solche
    Transport-Anträge derzeit "aus unterschiedlichen Gründen" nicht beschieden
    werden. Neben den Neckarwestheim-Betreibern haben auch die Betreiber der
    Kernkraftwerke Biblis, Philippsburg und Stade bei den Strahlenschützern
    förmlich die Genehmigung weiterer Atommülltransporte beantragt, weil die
    Zwischenlagerkapazitäten an den Kraftwerksstandorten weitgehend
    ausgeschöpft seien. Der RWE- Konzern hat bereits rechtliche Schritte für
    den Fall angedroht, daß die Transportgenehmigung für die Biblis-Brennstäbe
    nicht spätestens bis Ende August vorliegt, da dann wegen des
    Entsorgungsnotstandes der Reaktor Bibli B in seiner Leistung vermindert
    oder ganz vom Netz genommen werden müsse.

     Das Bundesumweltministerium verwies am Freitag darauf, daß noch 
    nicht alle Bedingungen zur Wiederaufnahme der Atommülltransporte 
    erfüllt seien. So fehle u.a. noch ein wesentliches 
    sicherheitsrelevantes Gutachten zur Vermeidung möglicher 
    Kontaminationen. Die Transporte könnten erst dann wieder aufgenommen
    werden, wenn gewährleistet sei, daß die international verbindlichen
    Grenzwerte für Kontaminationen tatsächlich auch eingehalten würden.
    Demgegenüber hatte die Schweizer Regierung, die ähnlich wie der Bund nach
    dem Kontaminationsskandal des letzten Jahres alle Atommülltransporte
    ausgesetzt hatte, vor wenigen Tagen die unbeschränkte Wiederaufnahme der
    Brennelementtransporte zu den Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und
    England freigegeben.
     


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