Bietigheimer Zeitung, 08.11.99

Demonstration / Gegen geplantes Zwischenlager beim Neckarwestheimer
Kernkraftwerk haben verschiedenen Gruppen mobil gemacht
Trillerpfeifen, Trommeln und Transparente
Befürchtungen der Atomkraftgegner: Mit Salamitaktik zum Endlager
- "Grundwasser und Luft besonders gefährdet" - Friedlicher Verlauf
KIRCHHEIM/GEMMRIGHEIM
(isd). Zur ersten Demonstration gegen das auf Gemmrigheimer Gemarkung
geplante atomare Zwischenlager beim Kernkraftwerk in Neckarwestheim kamen
gestern rund 400 Menschen aller Altersgruppen. Zeitgleich starteten nachmittags
von Kirchheim und Gemmrigheim aus zwei Demonstrations-Züge, trafen
sich auf halber Höhe und zogen dann gemeinsam vor das GKN.
In Neckarwesfheim fand dann auch die Hauptkundgebung statt. Doch bereits
vor dem Kirchheimer Bahnhof machten die Atomkraftgegner ihren Standpunkt
klar: "Wir sind gegen ein Zwischenlager, weil wir die Salamitaktik befürchten
und scheibchenweise hier ein Endlager entstehen könnte", befürchtet
Wolfram Scheffbuch vom Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar.
Wie berichtet, hatte das GKN im Mai dieses Jahres Pläne offengelegt,
auf dem Kraftwerksgelände unter den derzeitigen Besucherparkplätzen
- aber auf Gemmrigheimer Gemarkung - 160 Castor-Behälter in zwei unterirdischen
Stollen 40 bis 50 Jahre zwischenlagem zu wollen.
Was den Atomkraftgegnern zusätzliche Sorgen bereitet: Der Untergrund
unter dem Kraftwerksgelände ist zerrüttet und anfälllig
für
Hohlraumbildung. Aber was, wenn sich Risse in den Stollen bilden und
radioaktive Stoffe austreten, fragen sich die Widersacher des Zwischenlagers?
Besonders Grundwasser und Luft seien dann gefährdet, meint Wolfram
Scheftbuch. Und auch die Castor-Behälter könnten undicht werden,
denn die bisher eingesetzten Behälter wurden vor 20 Jahren entwickelt
und könnten also noch gar nicht so lange getestet sein..
"Es gibt kein absolut sicheres Endlager und wird es nie geben", so
der Sprecher des Bundes der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar weiter:
"Aber wer wirtschaftliche Interessen vor die Gesundheit der Menschen stellt,
wird das nie zugeben." Und daher lautet die Schlussfolgerung von Wolfram
Scheftbuch: "Unsere Gesundheit ist uns wichtiger, wir lehnen Atomstrom
ab".
Die Verwaltungen der benachbarten Kommunen haben sich über die
Demo in Schweigen gehüllt, bedauerten die Veranstalter. Aber viele
kleine Vereine und andere Gruppen würden die Aktion unterstützen.
Unter ihnen auch Sabine Weiler vom Besigheimer Bündnis Mensch und
Umwelt (BUM). Obwohl für sie die Demo nur ein "Nebenkriegsschauplatz"
ist, wie sie sagt, denn an sich ist sie gegen Atomkraftwerke als solche.
"Aber wenn das Zwischenlager durchgehen würde, wird die Atomindustrie
gestärkt und deshalb müssen wir uns wehren", argumentierte die
BUM-Sprecherin.
Mit Trillerpfeifen, Trommeln und Transparenten - geleitet von Polizeibeamten
- zog der Demonstrationszug dann los in Richtung GKN.