SWP: Zwischenlager / Das letzte Wort hat der Kreis
Südwestpresse, 29.10.02
> ZWISCHENLAGER / Das letzte Wort hat der Kreis
> Die Entscheidung fällt im Frühjahr
Der Rechtsstreit um ein Zwischenlager beim Kernkraftwerk Neckarwestheim
geht zu Ende. Nur noch der Landkreis und der Strahlenschutz müssen
zustimmen.
LSW
LUDWIGSBURG Die endgültige Entscheidung über den Bau des Zwischenlagers
für das Atomkraftwerk Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) wird im Frühjahr
2003 fallen. Das Landratsamt Ludwigsburg werde im April oder Mai
abschließend über den Bauantrag der Gemeinschaftskraftwerke Neckar (GKN)
entscheiden, sagte Vize-Landrat Christoph Schnaudigel gestern in
Ludwigsburg. In dem unterirdischen Lager sollen 151 Castor-Behälter
aufbewahrt werden.
Die Gemeinde Gemmrigheim (Kreis Ludwigsburg), auf deren Gemarkung das
Zwischenlager gebaut werden soll, hatte die Baugenehmigung zunächst
verweigert. Das erklärte der baden-württembergische
Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim vergangene Woche für
rechtswidrig. Gemmrigheim hatte einen Widerspruch zu seinem Regionalplan
geltend gemacht. Nach Ansicht der Gemeinde ist laut diesem Plan auf dem
Gelände nur Energiegewinnung zulässig. Die Richter hielten dagegen, ein
Zwischenlager stehe damit in einem "engen sachlichen Zusammenhang".
Offen ist noch, ob Gemmrigheim Rechtsmittel gegen die VGH-Entscheidung
einlegen wird. Die Mannheimer Richter hatten eine Revision nicht
zugelassen. Nun denke die Gemeinde darüber nach, eine so genannte
Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig
einzureichen, sagte ein Sprecher. Die Entscheidung soll bei einer
Gemeinderatssitzung am 18. November fallen. Allerdings will die Gemeinde
die Begründung der Mannheimer Richter abwarten, das schriftliche Urteil
sei noch nicht eingegangen.
Vize-Landrat Schnaudigel äußerte sich bereits jetzt zuversichtlich, dass
die Baugenehmigung im Frühjahr kommenden Jahres erteilt werde. Es seien
keine Aspekte mehr ersichtlich, die gegen eine Zustimmung sprächen.
Vorliegen müsse nur noch das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung
des Bundesamts für Strahlenschutz in Salzgitter. Diese Prüfung sei für
die atomrechtliche und die Baugenehmigung erforderlich.
Von Mitte 2005 an soll der Neckarwestheimer Atommüll in zwei je 30 Meter
breiten und 80 Meter langen Stollen gelagert werden, planen die
Betreiber. Im Sommer 2003 wollen sie mit dem Bau beginnen. Die Arbeiten
dauern voraussichtlich zwei Jahre, das Projekt kostet 30 Millionen Euro.
Der Rechtsstreit um das Lager läuft seit Anfang 2000.