SWR: Stuttgart/Neckarwestheim: Entlassener Kraftwerksleiter wird zum Politikum
SWR, 24.12.04
> Stuttgart/Neckarwestheim
> Entlassener Kraftwerksleiter wird zum Politikum
Der entlassene Leiter des Atomkraftwerks Neckarwestheim, Eberhard Grauf,
gehört nicht mehr der Reaktorsicherheitskommission des Bundes an.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat laut "Stuttgarter
Zeitung" gegen das Votum seiner Fachleute entschieden.
Er habe die Neubesetzung der Kommission bekannt gegeben, der Grauf nicht
mehr angehöre. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW), die dem Reaktorchef
fristlos gekündigt hatte, habe Trittin schon im August aufgefordert,
Grauf seiner Funktion in der Kommission zu entheben. Die Begründung: Er
sei nicht mehr aktiv in einem Kernkraftwerk tätig, womit die Grundlage
für seine Tätigkeit entfalle. Dieses Argument werde auch nun aus dem
Bundesumweltministerium genannt. Im September hatte Trittin die
Aufforderung noch mit der Begründung zurückgewiesen, dass der
Atomfachmann Fachkenntnis, Erfahrung und eine unvoreingenommene
Argumentation besitze. Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung"
hatten sich die Abteilung Reaktorsicherheit im Ministerium wie auch die
Reaktorsicherheitskommission für den Verbleib Graufs in dem Gremium
ausgesprochen.
Möglicherweise interner Disput über Sicherheit
Der Atomexperte war Ende Juni überraschend als Chef des zweiten
Reaktorblocks in Neckarwestheim abgelöst worden. Die Betreiberin, die
EnBW, soll dies mit "verbalen Ausfällen" und "querulatorischem" Verhalten
begründet haben. Der gefeuerte Reaktorchef hatte gegen seine Entlassung
geklagt. Er fühlte sich dadurch in seinem Ansehen beschädigt. Ihm war
zudem Hausverbot erteilt worden. Grauf und die EnBW, bei der er 32 Jahre
lang beschäftigt war, einigten sich außergerichtlich.
Möglicherweise haben unterschiedliche Auffassungen über Sicherheitsfragen
zu der Kündigung geführt. Der fristlos entlassene Atommanager soll
heftige Kritik an dem Zustand des AKW Neckarwestheim geübt haben.