SWR: Stuttgart - Pannen an Notstromaggregaten in Kernkraftwerken
SWR, 09.08.06
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In den baden-württembergischen Atomkraftwerken hat es in den
vergangenen Jahren eine Reihe von Problemen mit der Notstromversorgung
gegeben. Nach Informationen des SWR ereigneten sich seit 2002 in
Neckarwestheim und Philippsburg 20 entsprechende Störungen.
Atomkraftwerk Philippsburg (Quelle: SWR)
Atomkraftwerk Philippsburg.
Die Notstromversorgung ist für den Betrieb von Atomkraftwerken sehr
wichtig. Nur eine funktionierende Stromversorgung kann nämlich
sicherstellen, dass die Notkühlung des Reaktors funktioniert und damit
eine Kernschmelze verhindert wird. Deshalb sind alle Störungen an der
Notstromversorgung meldepflichtig.
Nach Informationen des SWR gab es in den beiden Kraftwerksblöcken in
Neckarwestheim in den vergangenen vier Jahren sieben Störungen an der
Notstromversorgung. Dabei wurden Defekte an Schaltanlagen,
Kühlwasserlecks und Störungen beim Start der Diesel-Notstromaggregate
gemeldet. Ähnliche Ursachen hatten die 13 Defekte in den beiden
Reaktorblöcken des Kernkraftwerks Philippsburg.
Alter des Kraftwerks macht sich bemerkbar
Die deutlich höhere Zahl an Fehlern in Philippsburg führt das
Umweltministerium auf das Alter dieses Kernkraftwerks zurück, das vor
26 Jahren ans Netz ging. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW), die die
Atomkraftwerke Philippsburg und Neckarwestheim betreibt, bestätigte dem
SWR, dass in ihren Kernkraftwerken bereits dreimal die reguläre
Stromversorgung zusammen gebrochen sei. So musste beispielsweise am 6.
Juni 1982 im Kernkraftwerk Neckarwestheim nach einem Blitzschlag die
Notstromversorgung einspringen, um eine Kernschmelze zu verhindern.
Umweltministerium sieht keine Gefahren
Das baden-württembergische Umweltministerium hält eine Panne wie im
schwedischen Atomkraftwerk Forsmark im Land dennoch nicht für möglich.
In Forsmark musste in der vergangenen Woche nach dem Ausfall von zwei
der insgesamt vier Notstromgeneratoren der Reaktor abgeschaltet werden.
Anders als in den schwedischen Atomkraftwerken würden die
Sicherheitssysteme der Kraftwerke in Baden-Württemberg ohne Umweg über
das in Schweden ausgefallene Bauteil mit Notstrom aus Batterien
versorgt, wenn ein Kurzschluss die normale Energieversorgung lahm
gelegt habe, erklärt das Umweltministerium.
Umweltministerium und EnBW kündigen trotz ihrer Entwarnung aber weitere
Untersuchungen an. In den nächsten Wochen soll geprüft werden, ob nicht
auch bei der in Philippsburg und Neckarwestheim eingesetzten Technik
ein reihenweiser Ausfall der Notstromtechnik drohen könnte.
Experten des Ökoinstituts bezweifeln die Aussage des baden-
württembergischen Umweltministeriums, ein Unfall wie in Forsmark könne
im Land nicht passieren. Der Störfall in Schweden habe gezeigt, dass
sich trotz vierfach ausgelegter Sicherheitssysteme eine ernsthafte
Panne nicht ausschließen lasse, erklärte Michael Sailer, Leiter
Nukleartechnik des Öko-Instituts, im SWR.